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Hodgkin-Lymphom

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Hodgkin-Lymphom

Stand: Februar 2012

1Was ist das?

1.1Was ist ein Hodgkin-Lymphom?

Das Hodgkin-Lymphom ist eine bösartige Erkrankung des Immunsytems. Es wurde benannt nach dem englischen Pathologen Thomas Hodgkin (1798 – 1866). Charakteristisch für das Hodgkin-Lymphom sind die sogenannten Hodgkin- und Reed-Sternberg-Zellen bei der mikroskopischen Untersuchung.

Die Behandlung wird an das Stadium der Erkrankung angepasst. Heute können über 80 % aller Patienten langfristig geheilt werden. Damit ist das Hodgkin-Lymphom eine der am besten behandelbaren bösartigen Erkrankungen des Erwachsenen.

1.1.1Wie häufig ist das Hodgkin-Lymphom?

Jährlich erkranken 2 – 3 Patienten pro 100.000 Einwohner. Das mittlere Alter liegt bei 32 Jahren. Die Krankheit kann aber auch Kinder und ältere Erwachsene betreffen. Am häufigsten tritt das Hodgkin-Lymphom in den Halslymphknoten auf (60 – 80 %), gefolgt von Lymphknoten im Brustkorb und in den Leisten.

Das Hodgkin-Lymphom breitet sich über die Lymphbahnen in die Lymphknoten und andere lymphatische Organe, über das Blut auch in nicht-lymphatische Organe aus.

1.1.2Was bedeutet die Einteilung?

Die WHO teilt das Hodgkin-Lymphom in verschiedene Unterformen ein:

  • lymphozytenprädominant (englisch: Nodular Lymphocyte Predominant Hodgkin’s Lymphom, Abkürzung: NLPHL; andere Namen: LPHD, noduläres Paragranulom)

Das lymphozytenprädominante Hodgkin-Lymphom macht etwa 5% aller Hodgkin-Lymphome aus. Die bösartigen Zellen werden L&H (abgekürzt für lymphozytisch und histiozytär) genannt. Bei ihnen sind CD20 und CD79a nachweisbar.

  • klassisch (englisch: classical Hodgkin’s Lymphoma, Abkürzung: cHL)

  • nodulär-sklerosierend (englisch: Nodular Sclerosing, Abkürzung: NS)

  • Mischtyp (englisch Mixed Cell, Abkürzung: MC)

  • lymphozytenreich (englisch: Lymphocyte Rich, Abkürzung: LR)

  • lymphozytenarm (englisch: Lymphocyte Depleted, Abkürzung: LD)

  • nicht-klassifizierbar

Die Tumorzellen des klassischen Hodgkin-Lymphoms werden als Hodgkin- und Reed-Sternberg-Zellen (H-RS) bezeichnet. Bei ihnen ist CD30 und CD15 nachweisbar. Die Unterteilung des klassischen Hodgkin-Lymphoms in die verschiedenen Unterformen hat bisher keinen Einfluss auf die Behandlung.

2Krankheitszeichen


Hodgkin-Lymphom, vergrößere Lymphknoten (Bild: Prof. Dr. A. Engert)

Typisch sind vergrößerte Lymphknoten. Bei den meisten Patienten entwickelt sich die Krankheit langsam und wellenförmig: Die Patienten haben oft den Eindruck, dass sich die Größe der Lymphknoten verändert. In den meisten Fällen sind die Lymphknoten schmerzlos. Krankheitszeichen sind in Tabelle 1 zusammengefasst:

Tabelle 1: Krankheitszeichen bei Patienten mit Hodgkin-Lymphom 
  • zunehmende, meist schmerzlose Vergrößerungen von Lymphknoten mit wellenförmigem Krankheitsverlauf

  • Fieber > 38,30C ohne erkennbare Ursache*; eine besondere Form von Fieber wird als Pel-Ebstein-Fieber bezeichnet: bei diesen Patienten steigt das Fieber über 1 – 2 Wochen an, nimmt dann wieder ab, steigt wieder an usw.;

  • nächtliches Schwitzen ohne erkennbare Ursache, typischerweise in den frühen Morgenstunden*

  • ungewollte Gewichtabnahme von mehr als 10 % des Körpergewichtes innerhalb von 6 Monaten*

  • Hautjucken

  • selten: Alkoholschmerz

*Diese Krankheitszeichen werden auch als B-Symptome bezeichnet.

Bei Blutuntersuchungen können unterschiedliche Veränderungen gefunden werden:

  • Blutsenkungsgeschwindigkeit erhöht

  • CRP erhöht

  • Leukozyten erhöht

  • eosinophile Granulozyten erhöht

  • Lymphozyten erniedrigt

Diese Befunde sind unspezifisch. Es gibt keine Blutuntersuchung, mit der ein Hodgkin-Lymphom bewiesen oder im weiteren Verlauf kontrolliert werden kann.

3Untersuchungen


Hodgkin-Lymphom, nodulär sklerosierend (Bild: Prof. Dr. A. Engert)

3.1Welche Untersuchungen sind erforderlich?

Für die sichere Feststellung eines Hodgkin-Lymphoms ist die Untersuchung von Lymphknotengewebe erforderlich. Hierfür sollte ein vollständiger Lymphknoten im Rahmen einer kleinen Operation entfernt werden. Die Untersuchung von Gewebe, das nur mit einer Nadel (Zytologie) entnommen wurde, ist nicht ausreichend.

Da die mikroskopische Beurteilung von Lymphknoten schwierig ist, wird empfohlen, Proben an einen zweiten Experten oder an ein spezialisiertes Institut zu schicken (Referenzbegutachtung, Zweitmeinung).

Wenn bei einer ersten Untersuchung der Befund ‚reaktive Veränderung‘ lautet, die Lymphknoten sich aber weiter vergrößern, sollte eine erneute Probeentnahme durchgeführt werden.

Die Behandlung von Patienten mit Hodgkin-Lymphom richtet sich streng nach dem Stadium zu Beginn der Erkrankung. Deshalb ist eine genaue Festlegung des Stadiums (Staging) unbedingt erforderlich. Die Untersuchungen sind in Tabelle 2 zusammengefasst.

Tabelle 2: Erstuntersuchungen bei Patienten mit Hodgkin-Lymphom 

Untersuchung

Beschreibung

Krankengeschichte, Krankheitszeichen

insbesondere B-Symptome

körperliche Untersuchung

einschließlich vollständigem Lymphknotenstatus, Leber- und Milzgröße

Blutuntersuchungen

  • großes Blutbild

  • BSG

  • LDH, GOP, GPT, AP, gamma-GT, Harnsäure, Kreatinin

Röntgen

  • Brustraum (Röntgen-Thorax)

Computertomographie (CT)

  • Hals

  • Brustkorb (Thorax)

  • Bauchraum (Abdomen) mit Kontrastmittel

Knochenmarkpunktion

  • Knochenmarkaspirat

  • Knochenmarkbiopsie

Die Durchführung einer Leberbiopsie ist dann nur sinnvoll, wenn der begründete Verdacht auf einen diffusen Leberbefall besteht und wenn dieser Befund die Behandlung beeinflussen würde. Wenn in der Computertomographie oder im Ultraschall verdächtige Herde in der Leber gesehen werden, ist von einem Befall auszugehen.

Die früher übliche Bauchoperation mit Entfernung der Milz wird heute nicht mehr empfohlen.

Die Durchführung einer Positonen-Emissions-Tomographie (PET) wird bei der Stadienerhebung (Staging) nicht empfohlen. Es gibt bisher keinen Beleg, dass durch die PET die Behandlungsergebnisse beim Hodgkin-Lymphom verbessert werden. Die Positronen-Emissions-Tomographie kann eventuell hilfreich sein, um vergrößerte Lymphknoten zu beurteilen. Dabei ist allerdings zu berücksichtigen, dass auch entzündliche Lymphknoten im PET leuchten können. Dann ist eine Probeentnahme zur Klärung erforderlich.

Für die Planung der Behandlung sind Untersuchungen der Lungenfunktion und des Herzens (EKG, Herz-Echo) erforderlich. Sie helfen, Nebenwirkungen der Chemotherapie zu überwachen und zu vermeiden.

Durch die Chemotherapie besteht das Risiko einer dauerhaften Unfruchtbarkeit. Besonders bei Heranwachsenden und jüngeren Erwachsenen sollen das Risiko und Methoden zur Vorbeugung bei den Aufklärungsgesprächen angesprochen werden.

3.2Was bedeutet die Stadieneinteilung?

Die Ausbreitung des Hodgkin-Lymphoms wird nach der Ann-Arbor-Klassifikation durchgeführt. Dabei werden die Stadien I bis IV unterschieden, siehe Tabelle 3.

Tabelle 3: Stadieneinteilung beim Hodgkin-Lymphom 

Stadium

Beschreibung

I

Befall einer einzigen Lymphknotenregion (Stadium I,N) oder Vorliegen eines einzigen oder begrenzten Herdes außerhalb von Lymphknoten (I,E)

II

Befall von zwei oder mehr Lymphknotenregionen auf einer Seite des Zwerchfells (also oberhalb oder unterhalb des Zwerchfells) (II,N), und / oder von begrenzten Herden außerhalb von Lymphknoten (II,E)

III

Befall von zwei oder mehr Lymphknotenregionen (III/N), und / oder Befall von begrenzten Herden außerhalb von Lymphknoten auf beiden Seiten des Zwerchfells (III,E)

IV

Befall von einem oder mehreren Organen außerhalb der Lymphknoten mit oder ohne Befall von Lymphknoten

Zum lymphatischen Gewebe gehören die Lymphknoten, Milz, Thymus und Waldeyerscher Rachenring.

Die folgenden Krankheitszeichen werden als B-Symptome bezeichnet:

  • nicht anderweitig erklärbares Fieber über 38°C;

  • nicht anderweitig erklärbarer Nachtschweiß (Wechsel der Nachtwäsche);

  • nicht anderweitig erklärbarer Gewichtsverlust von mehr als 10% des Körpergewichtes innerhalb von 6 Monaten

Wenn der Patient eines oder mehrere dieser Krankheitszeichen aufweist, wird hinter die Stadieneinteilung der Buchstabe ‚B‘ gesetzt, z. B. IIB. Wenn der Patient keines dieser Krankheitszeichen hat, steht der Buchstabe A hinter dem Stadium, z. B. IIA.

3.3Risikofaktoren


vergrößerte Lymphknoten im Brustkorb (Bild: Prof. Dr. A. Engert)

Die Prognose der Patienten wird durch das Stadium und durch weitere Risikofaktoren bestimmt. In den Studien der Deutschen Hodgkin Studiengruppe (GHSG) wurden folgende Risikofaktoren identifiziert:

  • Befall von 3 oder mehr Lymphknotenregionen

  • hohe BSG (in der ersten Stunde; ≥50mm mit B-Symptomen, ≥30mm ohne B Symptome)

  • großer Tumor im vorderen Brustkorb (Mediastinum), das heißt mehr als ein Drittel des Durchmessers des Brustkorbs, gemessen in einem normalen Röntgenbild

  • Befall von extralymphatischem Gewebe

3.4Risikogruppen

Die Stadieneinteilung und weitere Risikofaktoren erlauben die Einteilung der Patienten in Risikogruppen. Die Einteilung der Deutschen Hodgkin Studiengruppe ist in Abbildung 1 dargestellt.

Abbildung 1: Einteilung des Hodgkin-Lymphoms nach Risikogruppen 
Einteilung des Hodgkin-Lymphoms nach Risikogruppen
* Erklärung in Kapitel 3.4 Risikofaktoren

4 Was könnte es sonst sein?

Die häufigste Ursache von Lymphknotenvergrößerungen sind Entzündungen durch Bakterien oder Viren. Mögliche Erreger und Erkrankungen sind u.a. Pfeiffersches Drüsenfieber (infektiöse Mononukleose), Toxoplasmose, Tuberkulose, Zytomegalievirus oder eine HIV Infektion.

Andere bösartige Erkrankungen können ebenfalls zu Lymphknotenvergrößerungen oder einer Tumorbildung im Brustkorb führen, z. B. andere maligne Lymphome, Lymphknotenmetastasen von soliden Tumoren, Thymome oder Keimzelltumore. Auch Entzündungen, die nicht durch Infektionen verursacht werden, können zu vergrößerten Lymphknoten führen. Ein Beispiel ist die Sarkoidose (Morbus Boeck).

5Behandlung

5.1Wie wird behandelt?

Patienten mit Hodgkin-Lymphom sollten, wenn immer möglich, im Rahmen von klinischen Studien behandelt werden. Das Muster für die Entscheidung über die Behandlung außerhalb von Studien ist in Abbildung 2 und 3 dargestellt.

Abbildung 2: Entscheidung über die Behandlung von Patienten zwischen 18 und 60 Jahren - außerhalb von Studien 
Entscheidung über die Behandlung von Patienten zwischen 18 und 60 Jahren - außerhalb von Studien
Abbildung 3: Entscheidung über die Behandlung von Patienten im ersten Rückfall - außerhalb von Studien 
Entscheidung über die Behandlung von Patienten im ersten Rückfall - außerhalb von Studien

Die Therapie sollte unmittelbar nach der Diagnose und nach der Festlegung der Stadien beginnen. Ziel einer Behandlung beim Hodgkin-Lymphom ist fast immer die Heilung. Eine Änderung der empfohlenen Medikamentendosierungen sollte bei diesen Patienten nur in Ausnahmefällen erfolgen.

Bei Patienten mit gleichzeitig anderen, schweren Krankheiten kann erwogen werden, nur eine palliative Behandlung durchzuführen.

5.1.1Frühe Stadien

In frühen Stadien wird eine kombinierte Behandlung aus kurzer Chemotherapie und begrenzter Bestrahlung durchgeführt. Die Kombination ist wirksamer als Chemotherapie oder Bestrahlung allein. Standard für die Chemotherapie sind zwei Zyklen ABVD, siehe Tabelle 4. Die Bestrahlung wird mit 30 Gy auf die betroffene Lymphknotenregion durchgeführt.

In einer klinischen Studie der Deutschen Hodgkin Studiengruppe (GHSG) wird derzeit der Stellenwert einzelner Medikamente geprüft.

Die Frage, ob eine weitere Verminderung der Strahlendosis auf 20 Gy möglich ist und ob bei bestimmten Patienten ganz auf die Bestrahlung verzichtet werden kann, wird derzeit ebenfalls in klinischen Studien untersucht (HD16-Studie der GHSG).

Tabelle 4: Chemotherapie mit ABVD 

Adriamycin

25

mg/m2

i.v.

Tag 1 + 15

Bleomycin

10

mg/m2

i.v.

Tag 1 + 15

Vinblastin

6

mg/m2

i.v.

Tag 1 + 15

Dacarbazin

375

mg/m2

i.v.

Tag 1 + 15

Wiederholung: Tag 29

5.1.2Wie wird in mittleren (intermediären) Stadien behandelt?

Standardtherapie für mittlere Stadien ist die Kombination einer Chemotherapie mit einer begrenzten Bestrahlung (Involved-Field-Bestrahlung (IF-RT)). Der weitestgehend akzeptierte Standard besteht aus 4 Zyklen ABVD gefolgt von einer begrenzten Bestrahlung mit 30 Gy. Eine kürzlich durchgeführte Zwischenauswertung der HD14-Studie der Deutschen Hodgkin Studiengruppe (GHSG) zeigt jedoch, dass die Tumorkontrolle durch eine intensivere Behandlung von bisher 90 % auf 96 % gesteigert werden. Diese Patienten erhalten 2 Zyklen BEACOPP-eskaliert (s. Tab. 5), gefolgt von 2 Zyklen ABVD und einer begrenzten Bestrahlung mit 30 Gy. (IF-RT). Bevor diese intensivere Behandlung endgültig bewertet wird, sollte die Auswertung der möglichen Langzeitnebenwirkungen, u. a. das Risiko der dauerhaften Unfruchtbarkeit, abgewartet werden.

Die Frage, ob eine weitere Verminderung der Strahlendosis auf 20 Gy möglich oder ob die Bestrahlungsfelder weiter verkleinert werden können, wird derzeit ebenfalls in klinischen Studien untersucht (HD17-Studie der GHSG).

5.1.3Wie wird in fortgeschrittenen Stadien behandelt?

Standard für fortgeschrittene Stadien ist eine alleinige Chemotherapie mit 6 Zyklen BEACOPP-eskaliert, siehe Tabelle 5. Durch diese intensive Therapie wurden die Ansprechraten und das Gesamtüberleben deutlich verbessert. Die ursprünglich bei fortgeschrittenen Stadien empfohlene Behandlung mit 8 Zyklen wurde kürzlich zurückgenommen. Eine Behandlung mit 6 Zyklen hat weniger Nebenwirkungen und ist sogar wirksamer.

PET (Bild: Prof. Dr. A. Engert)

Eine Bestrahlung wird nur bei Patienten empfohlen, die nach Ende der Chemotherapie noch PET-positive Restlymphome mit einem Durchmesser von mindestens 2,5 cm haben. Die Bestrahlung soll mit 30 Gy erfolgen.

Tabelle 5: Chemotherapie mit BEACOPP-eskaliert 

Bleomycin

10

mg/m2

i.v.

Tag 8

Etoposid

200

mg/m2

i.v.

Tag 1-3

Adriamycin

35

mg/m2

i.v.

Tag 1

Cyclophosphamid

1250

mg/m2

i.v.

Tag 1

Vincristin

1,4

mg/m2

i.v.

Tag 8

Procarbazin

100

mg/m2

p.o.

Tag 1-7

Prednison

40

mg/m2

p.o.

Tag 1-14

G-CSF

s.c.

Ab Tag 8

5.1.4Wie wird bei älteren Patienten behandelt?

Patienten, die älter als 60 Jahre sind, sollten aufgrund wegen der höheren Nebenwirkungen nicht mit BEACOPP-eskaliert behandelt werden. Es wird empfohlen, diese Patienten mit ABVD zu behandeln. Die Anzahl der Zyklen richtet sich nach dem Erkrankungsstadium. Bezüglich der Bestrahlung wird wie bei jüngeren Patienten verfahren.

5.1.5Wie wird bei Patienten mit dem Lymphozytenprädominanten Hodgkin-Lymphom (NLPHL) behandelt?

Patienten mit dieser Untergruppe des Hodgkin-Lymphoms haben im Stadium IA eine hervorragende Prognose. Bei ihnen ist eine alleinige, lokal begrenzte Bestrahlung mit 30 Gy ausreichend. Bei den Patienten in anderen Stadien wird wie beim klassischen Hodgkin-Lymphom behandelt.

Beim Rückfall eines Lymphozytenprädominanten Hodgkin-Lymphoms ist auch die Behandlung mit einem Anti-CD20 Antikörper (Rituximab) in Betracht zu ziehen.

5.1.6Wie wird bei einem Rückfall behandelt?

Entscheidend für die Behandlung ist der Zeitpunkt des Rückfalls. Unterschieden wird zwischen

  • früher Rückfall (Frührezidiv): 3 – 12 Monate nach Ende der ersten Behandlung

  • später Rückfall (Spätrezidiv): später als 12 Monate nach Ende der ersten Behandlung

Patienten mit einem frühen Rückfall haben eine schlechtere Prognose. Für die meisten Patienten wird bei einem Rückfall eine Hochdosistherapie mit autologer Stammzelltransplantation empfohlen. Die Behandlung beginnt zunächst mit zwei Zyklen DHAP. Nach DHAP werden Stammzellen aus dem Blut des Patienten gesammelt. Daran schließen sich die Hochdosistherapie und die Rückgabe der eigenen, zwischenzeitlich eingefrorenen Blutstammzellen an. Durch diese intensive Behandlung sind die Heilungsraten besser als durch Chemotherapie allein.

Für Patienten mit einem späten Rückfall, die bei der ersten Behandlung wenig intensiv behandelt wurden, kann auch eine Behandlung mit intensiver Chemotherapie, z. B. 8 Zyklen BEACOPP-eskaliert, empfohlen werden.

Wenn sich der Rückfall auf eine einzige Lymphknotenregion beschränkt, kann auch eine Bestrahlung in Betracht gezogen werden.

Sollte es nach einer Hochdosistherapie mit autologer Stammzelltransplantation erneut zu einem Rückfall kommen, erfolgt die weitere Behandlung individuell. Bei jungen Patienten kommt eine allogene Stammzelltransplantation mit einem verwandten oder einem geeigneten, unverwandten Spender in Frage. Dies sollte im Rahmen von klinischen Studien durchgeführt werden.

Bei einer palliativen Behandlung werden sehr unterschiedliche, auch neue Medikamente eingesetzt. Diese sind z. T. beim Hodgkin-Lymphom bisher nicht zugelassen und werden im Rahmen von Studien untersucht. Hierzu gehören Gemcitabin, Vinblastin, Vinorelbin, niedrigdosiertes Etoposid, monoklonale Antikörper, Immuntoxine, Histon-Deacetylase-Inhibitoren (HDAC) oder Immunmodulatoren (Lenalidomid).

5.2Welche Kontrollen sind während der Behandlung erforderlich?

Eine Kontrolle des Ansprechens sollte nach der Hälfte der Chemotherapie und nach Ende der gesamten Behandlung erfolgen. In frühen Stadien sollte die Verlaufskontrolle nach 2 Zyklen Chemotherapie durchgeführt werden.

Zur Kontrolle gehören eine körperliche Untersuchung, die Bestimmung von Laborwerten und die Kontrolle der vom Hodgkin-Lymphom betroffenen Regionen durch Computertomographie. Ziel ist es, diejenigen Patienten zu identifizieren, die nicht auf die Chemotherapie angesprochen haben.

6Nachsorge


© klinik sonneneck wyk auf föhr

6.1Welche Untersuchungen sind in der Nachsorge sinnvoll?

Aufgaben der Nachsorge sind die frühzeitige Entdeckung von Rückfällen und von Nebenwirkungen der Behandlung. Ein Schema ist in Tabelle 6 dargestellt.

Tabelle 6: Nachsorge bei Hodgkin-Lymphom 

Monate

Untersuchung

3

6

12

18

24

30

36

42

48

54

60

72

Krankengeschichte und körperliche Untersuchung

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

Labor: großes Blutbild, BSG, weitere Untersuchungen

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

X

Schilddrüsenfunktion1

X

X

X

Computertomographie2

X

1  vor allem nach Bestrahlung der Halsregion
2 bei Patienten, die keine vollständige Rückbildung am Ende der Behandlung haben

Eine Computertomographie sollte einmalig etwa 3 Monate nach Ende der Behandlung bei den Patienten durchgeführt, die keine vollständige Rückbildung erreicht haben (Cru, PR, SD). Weitere Computertomographien sollten nur erfolgen, wenn der begründete Verdacht auf einen Rückfall besteht. Der Stellenwert der PET in der Nachsorge ist derzeit nicht klar und wird daher nicht empfohlen. Meist werden Rückfälle durch die Patienten selbst bemerkt. Um einen Rückfall sicher festzustellen wird eine Probeentnahme empfohlen.

Als Spätfolgen der Chemotherapie und der Bestrahlung kann es u. a. zu Unfruchtbarkeit, Unterfunktion der Schilddrüse und zu Veränderungen der Herzkranzgefäße kommen. Patienten sollten die Ärzte informieren, wenn sie Beschwerden an Herz oder Lungen haben. Insbesondere sollten Patienten darüber informiert werden, dass sich mögliche Lungenschäden durch Rauchen verstärken. Patienten mit einer Fettstoffwechselstörung haben ein erhöhtes Risiko für Erkrankungen von Herz und Kreislauf.

Das Risiko für andere Krebskrankheiten (Akute Leukämie, Non Hodgkin-Lymphom, solide Tumore) ist erhöht. Dieses Risiko bleibt lebenslang bestehen. Es hängt ab von der Dosis der Chemotherapie sowie von der Dosis der Strahlentherapie und der Größe des Bestrahlungsfeldes. Die Patienten sollten regelmäßig an den angebotenen Krebsfrüherkennungsprogrammen teilnehmen.

7Kurzfassung

Die Kurzfassung kann als Druckversion hier aufgerufen werden:

Kurzfassung Hodgkin-Lymphom

8Weitere Infos

Deutsche Hodgkin Studiengruppe: http://www.ghsg.org

Deutsche Leukämie- & Lymphom-Hilfe: http://www.leukaemie-hilfe.de

9Wer behandelt?

9.1Onkologische Zentren

Liste zertifizierter Onkologischer Zentren: https://www.onkologie-zertifizierung.de/

9.2DGHO Mitgliederdatenbank

10Anschriften der Verfasser

Michael Fuchs
Klinikum der Universität zu Köln
Studienzentrale der Deutschen
Hodgkin Studiengruppe (DHSG)
Gleueler Str. 269
50935 Köln
Tel: 0221 478-88160
Fax: 0221-478-88188
Prof. Dr. med. Dr. h. c. Andreas Engert
Universitätsklinikum Köln
Klinik I für Innere Medizin
Kerpener Str. 62
50924 Köln
Tel: 0221 478 5933
Fax: 0221 478 3778
Prof. Dr. med. Ralph Naumann
St. Marienkrankenhaus Siegen gGmbH
Medizinische Klinik III
Hämatologie, Medizinische Onkologie und Palliativmedizin
Kampenstr. 51
57072 Siegen
Tel: 0271 231-1302
Fax: 0271 231-1309

Disclaimer

Mein Onkopedia richtet sich an Patienten, Angehörige und alle Interessierten. Es basiert auf den aktuellen Leitlinien der DGHO Deutsche Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie e. V. für Ärzte, zusammengefasst in Onkopedia. Diese werden in Kooperation mit der OeGHO Österreichische Gesellschaft für Hämatologie und Medizinische Onkologie, der SGMO Schweizerische Gesellschaft für Medizinische Onkologie, der SGH+SSH Schweizerische Gesellschaft für Hämatologie und der GPOH Gesellschaft für Pädiatrische Onkologie und Hämatologie, erstellt. Fachbegriffe und Medikamente sind in einem getrennten Verzeichnis erklärt. Mein Onkopedia bietet Informationen, es ersetzt in keinem Fall die persönliche ärztliche Betreuung bei Erkrankung und Beschwerden.